Niederösterreich - Hinein ins Leben

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Abgang:
Vereinfacht gesagt: der Nachgeschmack eines Weins. Wenn ein Kenner einen Wein als “lang“ bezeichnet, spricht er ihm ein Kompliment aus: Denn je differenzierter, kompakter ein Wein ist, desto markantere Spuren hinterlässt er auf den Geschmackspapillen an Gaumen und Zunge. Die erfreuliche Nachhaltigkeit des Geschmackseindrucks nach dem Schlucken des Weins wird mitunter sogar mithilfe einer Stoppuhr festgestellt, was jedoch als akademisches Herangehen bezeichnet werden darf.

Achterl:
Die Grundeinheit österreichischer Qualitätsweinseligkeit ist das Achterl und bezeichnet logischerweise einen Achtelliter Wein. Viele Jahre mittlerweile wird auch beim Heurigen, der lange Zeit als Hochburg des Viertels (= des Viertelliters) galt, der Orientierung an der Qualität des Weins der Vorzug gegenüber jener an der Quantität gegeben. Das Achterl tritt in verschiedenen Erscheinungsformen auf, so zum Beispiel als Flucht-Achterl, wenn man sich vor dem Gehen noch ein Glas gönnt, oder als Steh-Achterl, das zwischendurch im Stehen eingenommen wird, zumeist mit einem kleinen Imbiss verbunden.

Alkoholgehalt:
Es gibt verschiedene Bezugssysteme zur Definition des Alkoholgehalts eines Weins, die jedoch – bis auf einen – vorwiegend von wissenschaftlicher Bedeutung sind. Hilfreich für den Weingenießer ist die Angabe der Volumsprozent (% vol.) auf dem Flaschenetikett: Leichte Weine bewegen sich im Bereich von 8 bis 11 Volumsprozent, mittlere bis 13, schwere darüber. Der Alkoholgehalt gilt übrigens auch als Indikator für die Lagerfähigkeit eines Weins: Im Allgemeinen gelten alkoholreichere Weine als lagerfähiger.

Alte Reben:
Der Lebenszyklus von Rebstöcken bemisst sich in Jahrzehnten. Als “alt“ gelten sie nach etwa 30 bis 35 Jahren. Wieso manche Winzer jene Weine, die von alten Reben stammen, speziell kennzeichnen? Weil damit über den Charakter des Weins einiges gesagt wird: Die Trauben alter Rebstöcke tragen weniger und kleinere Beeren – Weine von alten Rebstöcken sind daher häufig sehr reich an Extrakt, Alkohol und Aroma. Übrigens bewähren sich alte Rebstöcke durch ihr überaus weit verzweigtes Wurzelwerk besonders in trockenen Jahren sehr.

Ar:
Ein Flächenmaß. 100 Ar sind ein Hektar. Die durchschnittliche Weingartenfläche, die ein österreichischer Winzer bearbeitet, beträgt 1,7 Hektar – das ist im internationalen Vergleich sehr klein, was zwar die Chancen niederösterreichischen Weins auf dem Weltmarkt schmälert, aber Weinfreunden unendlich viele Chancen auf genussreiche Entdeckungen im weiten Land um Wien eröffnet.

Aroma:
Hunderte von Aromastoffen, in ihrer Gesamtheit nur etwa ein Gramm pro Liter schwer, ergeben jenes Duftbild, das jeden einzelnen Wein auch olfaktorisch einzigartig und charakteristisch macht. Das Wort Aroma stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet “Würze“.

Ausbruch:
Ausschließlich überreife, edelfaule und eingetrocknete Beeren dürfen verwendet werden, wenn der aus ihnen gewonnene Prädikatswein als “Ausbruch” bezeichnet werden will. Sein Most muss mindestens 27° KMW aufweisen. Typisch für einen “Ausbruch” ist ein würziges, blumiges Aroma (häufig assoziiert mit Anis und Geranien). Er wird besonders lohnend als Begleitung zu Käse getrunken und gedeiht in Niederösterreich besonders gut im Weinviertel und in der Thermenregion.

Ausgesteckt/“ausg’steckt“:
Nach dem niederösterreichischen Buschenschankgesetz sind “Besitzer von Wein- und Obstgärten berechtigt, Weine aus eigener Fechsung entgeltlich auszuschenken”, und von dieser Berechtigung wird erfreulich üppig Gebrauch gemacht. Wenn ein Buschenschank oder Heuriger “ausg’steckt“ hat, dann ist er geöffnet. Signalisiert wird das durch einen am Eingang weithin sichtbar angebrachten und zur besseren Kenntlichkeit mitunter farbenfroh beleuchteten “Buschen“ aus mehreren Zweigen. Dieser ist Beleg für die behördliche Genehmigung privaten Ausschanks von selbst erzeugtem Wein.

Auslese:
Besondere Mühe nimmt ein Winzer bei der Produktion einer Auslese auf sich, setzt sie doch – wie der Name andeutet – das händische Aussortieren einzelner Trauben oder gar Beeren bei der Lese voraus. Ausgewählt wird jedenfalls vollreifes, meist auch edelfaules Traubengut, das zu Prädikatsweinen verarbeitet wird. Das Mostgewicht einer Auslese muss mindestens 21° KMW betragen.

Avinieren/Vinieren:
Man viniert (bzw. aviniert, die beiden Wörter bezeichnen dieselbe Tätigkeit) ein Glas bzw. eine Karaffe, indem man sie unmittelbar vor der Verwendung sorgsam ausspült, um möglicherweise störende Aromen (häufigster aromatischer Störsender sind Geschirrspülmittelreste) zu beseitigen. Und da man dem im Anschluss an diese Tätigkeit zu genießenden Wein ein möglichst freundliches aromatisches Bett einrichten möchte, viniert man im Idealfall mit einem kleinen Schluck desselben Weins – dieser ist bestens investiert.


GWEB01-7